Dreaming Egypt- Tag 7

Montag, 22. Oktober

Tempel of Horus in Edfu

Wir Segeln weiter in Richtung Edfu wo der Besuch des Tempels von Horus, der in den Wandbemalungen als Falke oder Mensch mit Falkenkopf dargestellt wird, auf dem Programm steht. Horus ist der Sohn von Isis und Osiris und laut Mythologie tötet er an diesem Ort seinen bösen Onkel Seth, der seinen Vater Osiris umbrachte, in 14 Stücke schnitt und diese im ganzen Land verteilte, damit Isis sie nicht finden konnte.

 

 

 

 

 

 

Wir erreichen Edfu um die Mittagszeit. Es warten Pferd und Wagen am Steg auf uns, die uns in rund sieben Minuten zu Tempeleingang fahren. Es ist für Touristen obligatorisch auf diese Weise zum Tempel zu gelangen. Damit werde das einheimische Geschäft gefördert, so Aki.

Einmal mehr gelingt es Akram das Sicherheitspersonal zu überzeugen, uns alleine 15 Minuten in einem der vielen als Vorratskammern verwendeten Räume des Tempels zu gewähren.

Kaum betrete ich den Boden der Tempelanlage bin ich in einer anderen Dimension. Ich fühle mich magisch angezogen vom Hauptgebäude und dessen Ausstrahlung. Akram signalisiert uns zu beeilen. Ich bin dicht hinter ihm und trete als erste in den uns zugewiesen Raum. Stelle mich in eine Ecke und verfalle sogleich in einen tief veränderten Bewusstseinszustand. Der Raum in der Dimension in der ich mich befinde ist voller Farben. Nach und nach kommen die anderen herein und stellen sich im Kreis auf. Jemand lässt die Stimmgabel erklingen, was einen weiteren Dimensionssprung hervorruft. Ich habe das Gefühl, beim Bau der Gebäudes mit dabei zu sein. Ich bin fest mit dem Boden unter meinen Füssen und dem Tempel verankert. Eine Kraft der Stabilität, Beständigkeit und Zeitlosigkeit steigt in mir hoch. Vor mir und um mich herum sehe ich drei verschiedenen Farbstrahle die einzeln verzwirnt in Bewegung sind. Es ist ein Smaragdgrün, ein Blau und etwas was wie Gold aussieht. Diese Farbstränge tanzen in Windeseile um mich herum. Ich kann nicht sagen ob sie aus dem Boden, vom Himmel oder aus mir heraus, oder gar von allen drei kommen. Ich fühle, das Informationen in beide Richtungen ausgetauscht werden. Meine Arme und Hände bewegen sich zwischen Hüft- und Herzhöhe. Erst Handflächen nach unten, dann nach oben, dann rechte Hand nach unten, linke Hand nach oben und umgekehrt. Als ob ein Austausch zwischen Erde, Himmel und mir stattfindet. Bevor ich mehr erfahren kann, werde ich

abrupt aus diesem Zustand gerissen, da unsere private Zeit abgelaufen ist. Bis auf Lo, verlassen alle den Raum. Ihr ist klar, das ich tief versunken bin und sie holt mich mit ihren Gedanken zurück. Ich bin ihr unendlich dankbar, ich wäre vermutlich noch lange da stehen geblieben. Und ich weiss wieder mal, wie es sich anfühlt, wenn einem jemand aus so einem Zustand herausholt. Im ersten Moment stieg etwas Enttäuschung in mir hoch etwas verpasst zu haben.

Mir ist von der abrupten Rückführung und der Erfahrungen schwindlig und ich mag der Gruppe grad nicht folgen. Und so höre ich die jeweils sehr spannenden und ausführlichen Geschichten von Aki nicht mit. Ich torkle wie beschwipst durch den vielleicht eineinhalb Meter breiten Flur in Richtung Ausgang. Ich muss mich immer wieder an die Wand lehnen. Akram und ein Sicherheitsbeauftragter sind besorgt um mich. Der SiBe reicht mir ein Taschentuch und führ mich durch eine Nebentür an die frische Luft. Naja, von frisch im Sinne von kühl ist hier nicht die Rede. Ich setze mich auf eine Stufe, grabsche meinen Fächer aus um mir Erfrischung zu verschaffen. Als ich mich erholt hab, gibt mir der SiBe in gebrochenem Englisch zu verstehen, ich solle ihm folgen. Naiv wie ich in dem Zustand noch bin, glaube ich er führe mich nach draussen. Stattdessen ihm folgen befinde ich mich in einem engen dunklen Treppenhaus, indem die Wände mit Hieroglyphen übersät sind. Take pictures of you, meint er lächelnd. Mir wird schlagartig klar: er will natürlich für diesen Ausflug neben des offiziellen Durchgangs Geld von mir. Dennoch ist er weder aufdringlich noch unangebracht mir gegenüber.

Er hat sich das Trinkgeld verdient 😉

Die trockene Hitze setzt mir nebst dem Erlebten zu. Für den Rest des Tages schwelge ich in den Erlebnissen. Der Austausch mit Lo und den anderen hilft das Ganze besser einzuordnen. Ich finde den Austausch essenziell für die Integration der Eindrücke.

Wir, also die Crew der Afandina, segelt den Rest des Tages und ankert irgendwann kurz vor Sonnenuntergang an einer Insel. Das Nachtessen und die lauen Abenden auf dem Deck werden mir noch lange in Erinnerung bleiben.

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