Mittwoch, 24. Oktober 2018

Um 3:30 Uhr klingelt das Telefon zur Tagwache. Es gibt Frühstück, was mir um die Zeit gar nicht pässlich ist. Ich brauche süssen Kaffee – respektive Zucker mit Kaffee (mitgebrachten Bio Rohrzucker natürlich) – und Nikotin. Das sind meine besten Erdungsfreunde. Touch down and welcome back to earth, so in der Art…

Punkt fünf Uhr steigen wir in einen Car mit WC. Dieses Detail wird sich später noch als wichtig erweisen. Aki meldet sich mit seiner liebevoll aber bestimmten Art, Aufmerksamkeit von uns zu gewinnen, zu Wort. Die Fahrt daure rund drei Stunden ohne Zwischenhalt.

Einmal in Abydos angekommen, seien wir die ersten des Tages die den Totentempel des Pharaos Sethos I. sowie das Osirion betreten, vor dem grossen touristischen Ansturm. Das sei auch für ihn nicht alltäglich und wir sollen die Kraft – the power of the place – fühlen. Er, mit seiner Bekanntheit im Land, ist zuversichtlich, dass er uns ein paar wundervolle, kraftvolle Spots innerhalb der Anlage zeigen kann. Ob wir in die Tempelanlage des Osirion hinunter können, sei unklar. Das Osirion ist der Gottheit Osiris gewidmet, Bruder und Ehemann der Göttin Isis. Da ist in die Felsformation die Lebensblume eingebrannt oder gelaserd. Wie genau die dort hin kam, ist nach wie vor ein Rätsel.

Wir fahren sozusagen dem Sonnenaufgang entgegen. Das ist wirklich ein Spektakel der besonderen Art. Ich knipse wie wild durch die Fensterscheiben des fahrenden Cars und ergattere ein paar interessante Momente. 

Die Stadtdurchfahrt in Quena mitten im Gewühl des Wochenmarktes fesselnd. So vielfältig, farbig, chaotischen und dennoch geordneten Zu- und Hergehen.

Es ist bereits neun Uhr morgens, als wir bei der Tempelanlage eintreffen. Nach den üblichen Sicherheitskontrollen, Papieren und Dokumenten, steigt ein SiBe mit ein und wir fahren 100 m weiter zum Parkplatz. Alle wollen vorher noch auf’s WC. Aki weisst den Weg in Richtung eines prachtvollen, grünen Baum, der vor der Tempelanlage steht.

Das Betreten des Tempels ist… mir fehlen die Worte um diesen Gebäuden, deren Struktur, Präzision gerecht zu werden. Ich bin überwältigend beeindruckt. Mit dem ersten Tritt der Treppe in Richtung Eingang veränderte sich sekundenschnell meine gesamte Umgebung. Ein Flashback. Ich bin irgendwie in der Zeit, in der dieser Tempel und der Ort hier in Hochblüte war. Alles ist grün um mich herum, es ist belebt, wie im Dorf vorhin, jedoch gelassener. Akram ruft meinen Namen, Cristina Cristina come, we have to hurry bevor the people come. Und wutsch, ich bin zurück. Wau, nur schon dieses Erlebnis hätte mir für den Rest des Tages gereicht. In zügigem Schritten lots uns Aki durch die Tempelanlage, zeigt bei vorbeigehen auf das eine Bild, die Säulen, erzählt was. Ich höre ihn, und doch nicht. Ich staune und sehe wie es damals war. Wieder ist es Akram, der mich zum Weitergehen auffordert. Wir müssen zuerst zum Osirion, das sei auf der Rückseite des Tempels, wir kämen danach wieder hierher zurück. Also laufe ich weiter, nach draussen, von Wüste umzingelt. Plötzlich bleiben alle stehen. Aki verhandelt gerade mit dem SiBe. Der Blick in den sogenannten Osirion ist atemraubend. Leider dürfen wir nicht ganz nach unten, weil es Wasser hat. Am Boden smaragdgrünes Wasser. Links im Bild, am Pfeiler, beim Schatten sind zwei Lebensblumen ersichtlich. Niemand kann sich bis dahin erklären, wie oder wann diese dort angebracht wurden.

Wir können für zehn Minuten auf den Treppen, die bis ganz nach unten führen, stehen bleiben; uns einfühlen. Nur zu gerne, wäre ich länger dort verweilt. Ich fühle mich zwischen Welten hin und her gehen, bin voller Freude, beeindruckt und habe ein tiefes Wiedererkennungsgefühl. Welcome home. Aki versammelt uns und führt uns durch das Innenleben des Tempels, was die Priester taten, wie sie beteten. Innerlich schmunzle ich und denke: … ja und Priesterinnen…. V schaut mich gerade an, schmunzelt ebenfalls und wendet sich lachend zu Aki: „And Priestess!“

Es hat unzählige Räume, Vorratskammern, Durchgänge, Gebetsräume, Heilräume. Erstaunlicherweise haben hier einige Kunstwerke noch Farbe. Plötzlich herrscht Aufregung in der Gruppe, Aki ruft uns zusammen. Wir seien wahrlich gesegnet, genau in diesem Moment hier zu sein um von Gottheit Ra gesegnet zu werden. Er meint das im Spass und Ernst gleichermassen und zeigt an die Decke auf eine glatt geschliffene Öffnung durch den riesigen Felsblock.

Wir haben etwa eine halbe Stunde Zeit, selber ein wenig im Tempel herumzuschlendern und uns in einen der Räume aufzuhalten. Mich zog es in einen Durchgang, wo gerade die Decke restauriert wird. Ich staune über das Symbol der Sterne, ein fünfkantiger Stern. Seit vielen vielen Jahren zeichne ich jeweils ein fünfkantiger Stern, der auch als Blume gesehen werden kann. Warum mich genau dieses einfache Zeichen dermassen berührt ist Gegenstand von Ermittlungen.

Unsere Zeit hier ist schon wieder um und wir werden im Hotel Flower of Life zum Lunch erwartet. Ich rede hier von Sprüngen zwischen den Welten, von Dimensionenwechsel, nicht bloss metaphysischer Art. Nein, physischer Art ebenso. Das Hotel ist eine weitere Welt.

Im Speisesaal herrschen eisige Temperaturen, ohne Witze. Die Klimaanlage ist auf gefühlte 17 Grad eingestellt. Ich wickle mich in mein Pestamal Schal. Während wir aufs Essen warten, und ich über das erlebte nachdenke, beginnt in mir eine Art beben, das durch meinen ganzen Körper schwingt. Es ist eine sanfte, liebevolle hin und her schaukelnde Energie. Ich fühle mich umarmt, eingehüllt, geschaukelt….. in den weichsten Armen die ich je gefühlt habe. Mein Herz wird geflutet von universeller Liebe.      J schaut mich fragend an: alles gut bei dir? Ich teile mit ihm meine Wahrnehmung und er nickt und nickt und nickt, es gehe ihm auch so.
Lunch wird serviert. Wir sind zeitlich knapp dran, und müssen uns mit dem Essen beeilen. Ich esse zügig und suche einen Ort um in Ruhe eine Zigarette zu rauchen und mich aufzuwärmen. Der Hotelinnenhof erweist sich hierfür als perfekt.

 

Weitere knapp zwei Stunden Carfahrt liegen vor uns, um nach Dendera zu gelangen. Darauf freue ich mich besonders. Den Tempel der Hathor, Göttin der Liebe, des Friedens, der
Schönheit, des Tanzes, der Kunst, der Musik, der Erotik zu besuchen. Es ist 15:30 Uhr als wir bei der Tempelanlage vorfahren. Ich bin froh, denn die Hitze beginn um diese Zeit nach zu lassen. V hat mit den beiden A.A. – Aki und Akram – im Car schon vereinbart, dass wir gerne in das an Isis gewidmeten Haus auf der Tempelanlage gehen möchten. Wir haben Glück, denn der SiBe vor Ort gewährt uns 15 Minuten. Beim betreten des Raumes sind wir bereits in einem veränderten Bewusstseinszustand. V nimmt die Stimmgabeln hervor. Und fordert uns auf in das Gefühl der Hathor zu schwingen. Liebe, Tanz, Musik, Freude. Wir singen drei mal ein Lied in afrikanischer Sprache, wir klatschen, kleine Rascheln werden geschwungen. Pssst, rufts von draussen. Schade, dürfen wir hier nicht laut werden…. Ich fühle so viel Liebe von diesem Gestein. Ich stehe mit geschlossenen Augen, mit beiden Füssen fest am Boden verankert, Arme locker neben mir hängend da. Meine Handinnenflächen werden heiss und ich lege sie auf meinen Unterbauch, auf mein Sakral Energiefeld…….  und…… der Rest ist für mich zu wissen, und für dich darüber zu rätseln… grins, grins, smile, smile.
Meine Stimme fängt an ein OM zu summen. Worauf eine weitere Stimme und noch eine und noch eine, bis wir uns finden. Wir Summen drei mal ein OM. Die Vibration meiner Stimme, des Raumes, der Anderen zerschmilzt mit meinem physischen Körper. Das Empfangene wird so irgendwie durch unsere physischen Körper in diese Dimension übersetzt und mittels unserer Körper in unsere planetaren Frequenzen eingespeist.

Nach diesem, wenn auch kurzem, dafür sehr sinnlichen Erlebnis, kehren wir zum Hauptgebäude des Hathor Tempels. Ich schwebe wortwörtlich auf Wolke sieben und verliebe mich immer mehr in dieses wundervolle, magische Misir, so nennen sich die Ägypter ihr Land.
Ich beschliesse hier und jetzt so schnell wie möglich hierher zurück zu kehren. Und sicherlich mehr Zeit hier zu verbringen. Der Hathor ist einer der wenigen Tempel, die noch Touristen eine steile Treppe hochsteigen lassen um den Tempeldachrundgang zu machen und auf der anderen Seite den schmalen flach absteigenden Gang zu durchlaufen. So wie es die Priesterinnen des Alten Ägyptens wohl getan haben müssen.

Punkt 17 Uhr müssen wir die Anlage wieder verlassen. Wir sind die letzten und die Verkäufer warten schon verkaufswillig auf uns. Die Menschen sind arm in Dendera, und bestreiten ihren Lebensunterhalt vor allem durch den Tourismus. Und verhandeln können die! In Windeseile, kaufe ich einen türkisfarbenen (wie auch anders) Schal und ein weisses Baumwollhemd für meinen Mann. Der Car läuft schon, und Akram ruft uns liebevoll zur Beeilung. Move, move my sisters, move as one – we have to go.

Im Car spüre ich meine Erschöpfung und meinen Bauch gurgeln…. oh je oh je…. habe ich da wohl beim Mittagessen was erwischt….. ich habe Krämpfe, Übelkeit überkommt mich…. und so erweist sich die Toilette im Car doch noch als ein Segen…. auch wenn es ne Menge Überwindung braucht, die heisse, stinkende Cartoilette zu betreten….. ich bin nicht die einzige mit den selben Symptomen…. Um 19 Uhr sind wir wieder auf der Afandina, wo wir zum Nachtessen auf dem Boot von der Crew innigste erwartet werden. Ich kann kaum etwas essen und weiss, dass ich wohl am nächsten Tag besser auf dem Boot bleiben werde.

Auf dem Programm steht für den Vormittag des Tag 10, 4:30 Uhr Tagwache und Besuch des Totentempel der Hatschepsut.

Den werde ich wohl verpassen.