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Meine Freundin „Ausrede“

Kürzlich begegnete ich meiner Freundin „Ausrede“.

Meditation

Meditation an einem anderen stillen Ort 🙂

Sie jammert vor sich hin: „Ach weisst du, ich würde so gerne Dies und Das und Jenes tun… Aber ich hab einfach keine Zeit, Lust, Musse, Kraft, Energie. Ach was soll’s, kann das auch morgen, übermorgen oder irgendwann mal tun. “

„An Zeit fehlt es dir bestimmt nicht“ antworte ich ihr und frage sie „was würdest du denn gerne öfters tun?“

„Meditieren“ antwortet sie sogleich und fügt postwendend hinzu „aber ich weiss nicht wann ich mir die Zeit nehmen sollte. Ich hab einen Job, Familie, Haushalt, Hobby, Freunde. Die Tage sind einfach zu kurz um auch noch zu Meditieren…“

Ich schmunzle. Nicht grundlos ist ihr Name Ausrede.

„Wie oft pro Tag gehst du denn ins Stille Örtchen?“

Mit entgeisterten Augen fragt sie „Wie oft ich auf die Toilette geh??“

„Ja, genau das möchte ich wissen.“

„Was weiss ich: 5, 6, 7 oder 8 mal täglich, kommt darauf an ob ich dafür Zeit habe“.

Auf ihren fragenden Blick ergänze ich: „Das heisst, du hast 5, 6, 7 oder 8 mal täglich Gelegenheit zu meditieren.“

„Wie? Du meinst ich solle auf dem Klo meditieren?“

„Ja, genau! Eine Kurz-Meditation, bei der du einige Male bewusst und mit Absicht ein- und ausatmest; bringt dich sogleich in deine Mitte, ins Hier und Jetzt. Ein Moment in dem es nur dich, deinen Atem und dein Bewusstsein darüber gibt. Ein Augenblick in dem du frei bist von Pflichten, Sorgen und noch zu Erledigendem. Probiere es einfach mal aus.“

Lange schaut „Ausrede“ mich an. Ich sehe wie sie sich vorstellt, an ihrem Arbeitsplatz, Restaurant oder anderen Toilette zu meditieren.

„UNMÖGLICH“ sagt sie vehement!

„Nichts ist unmöglich“ antworte ich „und zugegeben, ich meditiere auch nicht auf jeder beliebigen Toilette. Doch in meinem stillen Örtchen nutze ich das Austreten, richte meine Aufmerksamkeit auf meine Atmung. Das tut mir gut.“

Ich fühle, dass sich in ihr etwas tut, sie ist hin und her gerissen. Plötzlich meint sie lauthals „OK, OK… zu Hause könnte ich es ja mal probieren!“

Schmunzelnd nähere ich mich ihr, strecke ihr meine Arme entgegen. Wir umarmen uns.

Ich flüstere ihr ins Ohr „Danke, Danke, Danke meine liebste Freundin Ausrede! Du lehrst mich so viel. Durch dich SEHE und erkenne ich mich.“

Wir verabschieden uns herzlich.

Kurz danach muss ich auf’s Klo. Da sitz in nun und lache innerlich über meine Begegnung mit meiner Freundin Ausrede. Sie meinte, sie würde es mal ausprobieren, das Meditieren auf dem WC.
Ich hoffe sie tut es, damit wenn wir – ich und Ausrede – uns wieder begegnen, und das werden wir bestimmt – wir uns darüber unterhalten können.

by ©amaspirito